Kunstpreis Kammerstein
Laudation zu den Preisträgern des Kunstpreises
Kammersteiner Kunstpreis Bilder & Laudatio zu den Preisträgern Bei der Finissage des ersten Kammersteiner Kunstpreises am 23.Juni 2022 hat der Vorsitzende der Jury, Dr. Harald Tesan, die drei von der Jury ausgezeichneten Kunstwerke wie folgt charakterisiert und gelobt:
Auszug aus der Laudatio von Dr. Harald Tesan anlässlich der Kunstpreis-Verleihung in Kammerstein am 23. Juni 2022:
3. Preis: Margit Schuler, “Was bleibt”
Die mit dem dritten Preis in Höhe von 500 Euro ausgezeichnete Arbeit widmet sich einem Thema, das uns alle betrifft, die wir immer länger leben und zugleich ewig strahlend und sexy aussehen wollen. Tatsache ist, dass unsere Gesellschaft immer älter wird, es zugleich aber niemand so recht zugeben will, dass auch er den Weg allen Irdischen geht. Die Schönheitsund Konsumgüterindustrie bedient den Kult der ewigen Jugend mit ihrer Ästhetik des Immerneuen. Die Würde des Alters wartet derweil auf ihre Wiederentdeckung. Dann das Porträt eines alten Menschen, im übergroßen Format, noch dazu mit geschlossenen Augen. Tief in die Haut eingegrabene Furchen und persönliche Erkennungsmerkmale sind Indizien dafür, dass ein treues Erinnerungsbild eines ganz bestimmten Menschen vorliegt. Das nur ihm eigentümliche Aussehen zeichnet das Individuum aus. Als Betrachter beginnen wir, uns das Schicksal dieser unbekannten Person vorzustellen. Der Titel des Gemäldes “Was bleibt” deutet an, dass dieser Mensch nicht nur schläft. Damit eröffnet sich ein komplexes Feld an Bedeutungsebenen. Offensichtlich geht es um die allerletzte, ganz große Frage, die alle Religionen und Philosophien seit jeher umtreibt. Auf anrührende Weise und dennoch ohne falsche Sentimentalität spürt die Malerin den eigentlich unermesslichen Tiefen im Gesicht ihrer Protagonistin nach. Die malerische Annäherung an einen Toten erfolgt mit gebührendem Respekt. Mit zartem, ja fast scheuem Pinselduktus werden Braun- und Rottöne auf die weiße Leinwand getupft. Die feinnervige, nahezu aquarellierende Handschrift erscheint dem Thema angemessen. Die subtile Gratwanderung zwischen Individuellem und Archetypischem, zwischen Nähe und Distanz, verdient den dritten Preis.”